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Archiv der Kategorie Sabine
“Ein allzu kurzes Leben” von Ronald Reng
21.2.2012 von Krümel.
Fußballer sind Volkshelden.
Fußballer sind stark.
Fußballer sind Vorbilder.
Fußballer genießen ihr Leben im Rampenlicht.
Fußballer haben sich ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Fußballer haben keine Zweifel.
Soweit, so gut.
Dann aber kam der November 2009 und Robert Enke, die potentielle Nummer Eins für die WM 2010 in Südafrika, geht einen Weg, auf dem ihn niemand folgen kann - er nimmt sich das Leben. Für kurze Zeit schien es ein Aufwachen zu geben, sah man den Fußballzirkus mit neuen Augen. Er hat die Menschen aufgerüttelt und wurde zum traurigen Vorbild - seitdem trauen sich immer mehr Fußballer und jüngst auch ein Fußballtrainer zu sagen “Ich habe ein Problem. Ich lass mich behandeln.”
Ronald Reng gelingt mit seinem Werk zweierlei - zum einen zeichnet er sehr authentisch das Leben eines Mannes, der viele Höhen und Tiefen zu bewältigen hatte, der auch ein Meister der Maske war, der es selten zuließ, dass sein Umfeld hinter die Fassade schauen durfte. Zum anderen schafft er es, die Krankheit “Depression” so darzustellen, dass man als Außenstehender wenigstens den Hauch einer Ahnung davon bekommt, was es bedeutet selber oder passiv davon betroffen zu sein.
Er drückt dabei nicht auf die Tränendrüse, sondern läßt den Leser teilhaben am Innenleben von Robert Enke - mit Hilfe von Tagebuchnotizen, Berichten von Freunden oder seiner Frau Teresa.
Mich hat die Biographie sehr bewegt, da sie sehr eindrucksvoll das Leben mit einer Krankheit beschreibt, die die eigene Seele dunkel macht und das Leben lähmt.
Ronald Reng, Jahrgang 1970, liebte London schon, als er es noch gar nicht kannte. 1996 zog er für fünf Jarhe dorthin, 2001 erschien sein vielbeachteter Roman »Der Traumhüter«, 2003 »Mein Leben als Engländer«. Ronald Reng lebt heute als Sportreporter in Barcelona.
Sabine
Piper Verlag 2010, Hardcover 19,95 €, 426 Seiten, ISBN: 978-3492054287
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“Stefan Zweig. Drei Leben - eine Biographie” von Oliver Matuschek
17.1.2012 von Krümel.
Oliver Matuschek beleuchtet in seiner Biografie des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) die drei Leben, welche der Autor in seiner Schrift Die Welt von Gestern selbst definiert hatte:
1. Leben: Jugendjahre bis zum Ende des 1. Weltkrieges
2. Leben: Ende 1. Weltkrieg bis Februar 1934
3. Leben: Exiljahre und sein Lebensende
Matuschek läßt mithilfe von Briefen und Bildern den Schriftsteller Stefan Zweig lebendig werden, der als einer der beliebtesten Klassiker des 20. Jahrhunderts gilt. Dabei gelingt es ihn auch einen Blick hinter die Fassade von dem Menschen Stefan Zweig zu werfen.
Je nach Lebensabschnitt verändert sich die Geschwindigkeit des Erzählens - das 1. Leben strahlt Ruhe und Besonnenheit aus - der Leser wird mit auf die Reise genommen, in die Stadt Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erlebt, wie Stefan Zweig reift und die Beschaulichkeit von diesem Lebensabschnitt mit dem 1. Weltkrieg ein jähes Ende findet.
Im Gegensatz dazu rasen die Jahre des 3. Lebens und bringen die Unstetigkeit seines Lebens zum Ausdruck. Es bleibt Spekulation, ob dieser Eindruck vom Autor bewusst gewählt wurde, ich es nur so empfunden habe oder es auch schlicht an mangelnden Quellen lag, welche in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren gegangen sind. Wurde aber z.B. das Beginn der Beziehung zu seiner 1. Frau Friderike ausführlichst beschrieben, bekam die Beziehung zu Lotte, seiner späteren 2. Frau, viel weniger Raum.
Matuschek, der Philosophie und Geschichte studierte, gelingt mit dieser Biographie nicht nur ein Blick auf Stefan Zweig und sein persönliches Umfeld, zugleich läßt er auch die Zeit lebendig werden, welche geprägt war von einschneidenden Ereignissen, die die ganze Welt verändern sollte. Außerdem bekommt der Leser auch Einblick in den Literaturbetrieb der damaligen Zeit - wie Verleger arbeiteten, mit welchen Problemen die Autoren zu kämpfen hatten und welchen lebendigen Austausch es untereinander gab.
Für Zweig-Freunde und alle, die es werden wollen, ist diese Biographie eine lesenwerte Bereicherung.
Sabine
S. Fischer Verlag 2008, Taschenbuch 9,95 €, 416 Seiten, ISBN: 978-3596166855
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“Marina” von Carlos Ruiz Zafón
26.10.2011 von Krümel.
Was erwartet man als Leser, wenn man ein Buch mit dem Titel “Marina” bekommt? Gepaart mit dem Klappentext: “[…] und erzählt in unvergleichlicher Weise die dramatische Geschichte eines jungen Mannes, der um sein Glück und seine große Liebe kämpft.” hat sich mein romantisches Herz auf eine wunderschöne Liebesgeschichte gefreut. Vielversprechend war auch der Beginn:
>>Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Das hier ist das meine.<<
Das romantische Herz blieb am Ende traurig zurück, weil seine Erwartungen gänzlich enttäuscht wurden. “Marina” ist schon eine Liebesgeschichte. Auch. Aber auch ein Krimi, eine Biographie und eine Gruselgeschichte (für mich eher Horror, aber ich bin da auch eher zart besaitet).
Um was geht es?
Óscar lernt bei seinen Streifzügen durch Barcelona das Mädchen Marina kennen. Mit ihr zusammen verfolgt er eines Tages eine geheimnisvolle Dame in Schwarz. Als die beiden versuchen, hinter ihr Geheimnis zu kommen, überschlagen sich die Ereignisse und die harmlose Neugierde von Marina und Óscar führt sie in einen Albtraum.
Keine Frage, Zafón gelingt es wieder eine sehr spannende Geschichte zu erzählen. Er läßt das Barcelona seiner Kindheit lebendig werden. Aber ab einem bestimmten Punkt wird es zu unrealistisch, zu fantastisch, sodass mir Lesefreude arg getrübt wurde. Ohne zu viel verraten zu wollen, ähneln die Motive des Buches “Frankenstein”. Einzig die Neugierde, wie es mit Óscar und Marina am Ende ausgeht, konnte mich zum Weiterlesen animieren.
Schade, weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen.
Sabine
Fischer Verlag 2011, Übersetzung: Peter Schwaar, Hardcover 19,95 €, 352 Seiten, ISBN: 978-3100954015
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“Mein Freund Stieg Larsson” von Kurdo Baksi
27.9.2011 von Krümel.
Durch Zufall bin ich auf dieses Buch gestoßen – sofort war mein Interesse geweckt, mehr über den Menschen zu erfahren, der mit der Millennium – Trilogie eine ungeheuer spannende Krimi – Serie geschaffen hatte. Was war das für ein Mensch? Wieviel von ihm finden wir in den Büchern wieder?
Kurdo Baksi war viele Jahre lang ein treuer Begleiter von Stieg Larsson – nicht nur beruflich, sondern auch privat. Wenn sie unter sich waren, haben sie sich als „Großer Bruder, kleiner Bruder“ bezeichnet.
Was mich sehr beeindruckt hat, war der Kampfgeist von Stieg Larsson – er wollte die Gesellschaft in Schweden (und eigentlich der ganzen Welt) verändern, Ungerechtigkeiten abschaffen. Er ging offen (trotz vielerlei Bedrohungen) gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit vor.
Mit dieser Biographie wird zweierlei deutlich – zum einen kann man sehen, wie facettenreich das Wirken von Stieg Larsson war. Und zum anderen hat mit seinem Tod Schweden einen großen Menschenrechtler verloren, dem es nicht darum ging, in der Öffentlichkeit zu stehen und sich den A**** in Talkshows breit zu sitzen, sondern der wirklich etwas erreichen wollte und unermesslich an seinem Traum einer gerechteren Welt arbeitete. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob ihn dieser Kampf am Ende das Leben kostete. Aber sicherlich hätten ihm mehr Schlaf, weniger Kaffee und weniger Zigaretten mehr Lebenszeit geschenkt …
Obwohl das Ende des Buches von Vornherein klar ist, ging es mir beim Lesen so, dass ich die Ereignisse bremsen wollte, je näher November 2004 in den Fokus geriet. Stieg Larsson starb kurz bevor einige seiner arbeitsreichen Früchte reif waren – die Ernte und den Erfolg durfte er nicht mehr erleben.
Kurdo Bakso bringt dem Leser den Journalisten Stieg Larsson näher – vom Privatmenschen erfährt der Leser kaum etwas – aber es bleibt die Frage, wann der Mann Zeit für ein Privatleben gehabt haben soll – er lebte für seinen Beruf, seine Vision und entspannte sich nachts beim Schreiben.
Aber er beleuchtet auch den Schriftsteller Stieg Larsson und die Parallelen zwischen seiner Trilogie und dem Autoren. Er zeigt auf, wie viel Stieg Larsson in seinen Hauptprotagonisten steckt und welche einschneidenden Erlebnisse seiner Biographie darin verarbeitet werden.
Sabine
Heyne Verlag 2010, Übersetzung: Susanne Dahmann, Hardcover 18,95 €, 224 Seiten, ISBN: 978-3453170650
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